Caritas Gtersloh

„Gehört sich in sozialer Marktwirtschaft nicht“

Prof. Dr. Georg Cremer (vordere Reihe Mitte) besuchte die Caritas-Beratungsstelle für Familien von Werkvertragsarbeitern. Mit im Bild (vorne v.l.): Ulrich Borchert (Vorsitzender des Caritas-Rates), Birgit Kaupmann (Caritas-Fachbereichsleitung Familie, Schule, Jugend) sowie Cornelia Hedrich und Hannelore Helmsorig (beide Caritas-Beraterinnen). Hintere Reihe (v.l.): Peter Köching (Caritas-Fachbereichsleitung Sucht- und Drogenhilfe), Caritas-Vorstand Volker Brüggenjürgen, Projektkoordinator Szabolcs Sepsi (DBG) und Frank Börgerding (Leitung Kreisfamilienzentrum Herzebrock-Clarholz).

Das Caritas-Beratungsangebot für Familien von Werkvertragsarbeitern in der heimischen Fleischindustrie zieht immer mehr Aufmerksamkeit auf sich: Prof. Dr. Georg Cremer – bis Juni Generalsekretär der Caritas Deutschland – informierte sich bei einem Besuch im Kreisfamilienzentrum Herzebrock über das Projekt. Volkswirt Cremer hat in vielen Veröffentlichungen zum Thema Armut Stellung bezogen. Auch dieses Mal positionierte er sich.

 

Cremer machte bei den Caritas-Beratern Station, ehe er auf der Gütersloher Armutskonferenz referierte. Dabei erfuhr er, dass der Caritasverband mittlerweile mehr als 500 Werkvertragsarbeiter und deren Angehörige betreut hat. 2016 war die Beratungsstelle im Von-Zumbusch-Haus in Herzebrock aus der Taufe gehoben worden.

 

Projektkoordinator Szabolcs Sepsi (Deutscher Gewerkschaftsbund, DGB) sowie die Beraterinnen Cornelia Hedrich und Hannelore Helmsorig berichteten von den oftmals prekären Verhältnissen, unter denen Werkvertragsarbeiter und ihre Familien leben. Bis zu 60 Stunden arbeiten manche in der Woche, häufig würden Überstunden nicht korrekt erfasst und vergütet. Wenn Maschinen ruhen oder die Arbeiter ihre Messer schärfen müssten, werde dies oft nicht als Arbeitszeit anerkannt, hieß es. Manche Arbeiter wüssten noch nicht einmal, ob und wo sie krankenversichert seien, da Subunternehmer Briefe der Krankenkassen an ihre Adresse, und nicht an die der Arbeitnehmer senden ließen.

 

Prof. Dr. Cremer – Auto des Buches „Armut in Deutschland“ – forderte, dass sich „Ökonomen um solche Dinge kümmern“ müssten. Zustände, wie sie ihm geschildert worden seien, „gehören sich in einer sozialen Markwirtschaft nicht“, so Cremer. Eine mögliche Lösung sieht er in der Gründung eines Gesamtbetriebsrats für die Gesamtheit der Werkvertragsarbeiter in einem Betrieb. „Das wäre ein spannender Ansatz! Solche Forderungen kann die Caritas unterstützen“, machte Prof. Cremer Mut – wissend, dass dies das „Bohren dicker Bretter“ bedeute.

 

Volker Brüggenjürgen, Vorstand des Caritasverbandes für den Kreis Gütersloh, deutete an, dass sich sein Verband „noch mehr armutsorientiert aufstellen“ wolle. Insofern sei der Besucher von Prof. Dr. Cremer hilfreich gewesen, um „von seinem Know how zu profitieren“.