CORONA-Sorgentelefon

Sucht- und Drogenhilfe begeht den Jahrestag für verstorbene Drogengebraucher*innen

Jedes Jahr sterben auch im Kreis Gütersloh Menschen am Konsum von illegalen Drogen bzw. deren Folgeerscheinungen Und jeder dieser Menschen hinterlässt Familienangehörige und Freunde. Aus diesem Grund gibt es seit 1998 den Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogenkonsumenten. Dieser geht zurück auf Ingo Marten, der am 21. Juli 1994 in Gladbeck auf bisher noch ungeklärte Ursache verstarb.

Seit mehr als 10 Jahren nutzt das Team der Caritas Sucht- und Drogenhilfe den Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogenkonsumten am 21.Juli, um mit Klienten nicht nur den Verstorbenen zu gedenken, sondern auch um den Klienten Kompetenzen mit an die Hand zu geben mit ihrer eigenen Trauer besser umzugehen.

Nicola Bals leitet den Cafe- und Servicebereich der Drogenberatung in Gütersloh: „Das diesjährige Angebot sollte jedem Teilnehmenden individuell die Möglichkeit geben, sich an Verstorbene zu erinnern. Daher führten wir zunächst einen Trauerspaziergang durch, bei dem jeder ein oder mehrere Naturmaterialien – Äste, Blüten, Steine o.ä. - sammeln sollte, die in irgendeiner Form mit dem Verstorbenen assoziiert werden. Dabei haben wir natürlich auch die Abstandregeln geachtet. Im Anschluss wurden diese Materialien dann nacheinander auf dem Fußweg vor der Drogenberatungsstelle in der Roonstraße in eine Form gelegt, die immer weiter wachsen konnte.“

Dabei erinnerten sich die Einzelnen immer wieder an ihre Verstorbenen, wie ein Teilnehmer zusammenfasst: „Man muss auch mal im Alltag an die Verstorbenen denken, sonst geht alles verloren. Und dann ist man selber nur noch traurig. Aber  wenn hier dann beim Denken parallel etwas Schönes entsteht, ist es viel besser.“

So entstand auf dem Gehsteig ein sehr vergängliches Kunstwerk, welches auch Nachbarn und Passanten auffiel: „ Es ist gut, wenn im Alltag dem Tod auch ein Platz gegeben wird. Es macht krank, wenn man nicht an seine Verstorbenen denken kann, weil keine Zeit ist“, so schilderte ein Nachbar seine Eindrücke vom Gedenktag.

Der Umgang mit Tod und Trauer gehört für das Team der Sucht- und Drogenhilfe auch außerhalb des Gedenktages zum Alltag: Wenn Klient*innen versterben, führen sie mit Hinterbliebenen Trauergespräche. Bals: „Dann ist es wichtig, diese Trauer zuzulassen, ihr Raum und Zeit zu geben und sie zu begleiten. Ansonsten kann es sein, dass versucht wird, die damit verbundenen Gefühle wie Angst und Traurigkeit mit Drogen zu betäuben.“ So geht es bei diesen Gesprächen oft auch um die eigene Lebensführung und Selbstfürsorge. Denn riskanter Alkohol- oder Drogenkonsum birgt neben den direkten und akuten gesundheitlichen Risiken auch immer die Gefahr u.a. von chronischen Folgeerkrankungen.  Und im Fall einer möglichen Corona-Infektion erhöht sich damit das Risiko eines schweren Verlaufs immens.  Häufig kommt für Betroffene auch der soziale Abstieg hinzu, wenn Beziehungen in die Brüche gehen, der Arbeitsplatzverlust droht oder sogar die Obdachlosigkeit eintritt.

Mehr über die Angebote der Caritas Sucht- und Drogenhilfe finden Sie hier.

Zum Gedenken an verstorbene Drogengebraucher*innen haben Klient*innen ein Naturbild gelegt.