CORONA-Sorgentelefon

Telefonkette öffnet Türen

Plaudern gegen Einsamkeit und Langeweile. Fünf Wörter braucht es, um das Projekt „Telefonkette“ zu beschreiben. Ins Leben gerufen wurde es von der Initiative „Zeitwerk – für das Leben im Alter“, in der Caritas und AWO bereits seit 2006 kooperieren. Bei der Telefonkette kommen Menschen ins Gespräch, die sich völlig unbekannt sind. Die für uns alle so wichtigen sozialen Kontakte sollen dadurch erhalten und neu geknüpft werden. Das war vor Corona schon wichtig. Es ist in Corona-Zeiten mit all den Einschränkungen umso wichtiger.

Das Prinzip der Telefonkette ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Eine Kette besteht aus vier bis sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich der Reihe nach immer zu Zweit am Telefon unterhalten. Zu einem vorher verabredeten Zeitpunkt ruft Nummer 1 bei Nummer 2 an. Man plaudert 15 bis 20 Minuten, dann ruft Nummer 2 bei Nummer 3 an. Wieder wird ein Schwätzchen gehalten und die Kette setzt sich durch einen Anruf von Nummer 3 bei Nummer 4 fort – und so weiter. Das letzte Glied der Kette telefoniert zum Abschluss noch einmal mit Nummer 1. Damit haben schließlich alle Beteiligten zwei Gespräche geführt.

Margot Dietrich (Versmold), Hildegard Renneke (Gütersloh), Monika Lüttge (Halle) und Jürgen Gaber (Gütersloh) haben sich im April erstmals zur Telefonkette verknüpft. Dass die Chemie stimmt, spürt man – etwa daran, dass Jürgen Gabers verschmitztes „Ich bin hier der Hahn im Korb“ mit lautem, freundlichen Gelächter quittiert wird. 

Alle mussten sich in das neue Format erst mal hinein fühlen. Margot Dietrich: „Man wusste erst nicht recht, was man sagen sollte. Aber dann quatscht man drauf los, und es findet sich ein Weg.“ Zu hören, wie andere mit der Situation umgehen, hat Hildegard Renneke als „Bereicherung“ empfunden. „Ich fand die Idee witzig, mit total fremden Mensch zu sprechen“, erzählt Monika Lüttge. Am Ende hätten 15 Minuten oft nicht ausgereicht, um alle Themen unterzubringen. Jürgen Gaber musste Corona-bedingt den Kontakt zu Kindern und Enkelkindern stark einschränken. „Aber alles Jammern hilft nicht. Denn es geht immer ein Tür auf.“ Die Telefonkette sieht er als solche. „Ich bin um eine wichtige Erfahrung reicher.“

Die Telefonkette ist sichtbares Zeichen dafür, wie gut die Kooperation zwischen dem Caritasverband für den Kreis Gütersloh und dem AWO Kreisverband Gütersloh (AWO) klappt. Mechtild Reker (Caritas) und Doris Weißer (AWO) sind die beiden Frauen, die in der gemeinsamen Initiative „Zeitwerk – für das Leben im Alter“ Projekte vorantreiben. Beide haben sich nach Ausbruch der Corona-Pandemie zusammengesetzt und überlegt: Was geht unter den aktuellen Umständen? Herausgekommen ist die Telefonkette. Doris Weißer: „Telefonketten gibt es bereits. Wir haben das Format aufgenommen und verändert.“ Das Grundformat ist um den Faktor „Zeit“ erweitert worden. Es geht um mehr als um einen kurzen (und wichtigen) Kontrollanruf, ob alles okay ist. Es geht um die Zeit zum Erzählen und Zuhören.

Zwei Telefonketten gibt es bereits. Mechtild Reker ist sich sicher, dass weitere hinzukommen werden. „Das Einzige, was man tun muss: die Hemmschwelle überwinden und sich drauf einlassen.“