CORONA-Sorgentelefon

Corona-Krise: „Absolut bedrückend”

„Wir empfinden die Situation als absolut bedrückend!“ Mit diesen Worten reagiert der Vorstand des Caritasverbandes Gütersloh auf die dramatische Entwicklung der Corona-Krise im Kreisgebiet. Den betroffenen Werkvertragsarbeiterinnen und -arbeitern gelte es jetzt das Signal zu senden, dass nicht sie die Verantwortung für die aktuelle Situation tragen. An den Schlachtkonzern Clemens Tönnies appelliert der Wohlfahrtsverband hingegen, die eigene Rolle selbstkritisch zu hinterfragen und die Schuld an dem Desaster deutlich zu benennen. 

Die Menschen im Kreis Gütersloh seien gerade dabei gewesen, „sich ein wenig freizustrampeln“ und von den Einschränkungen der vergangenen Monate zu erholen. Die Nachricht vom rasanten Anstieg der Covid-19-Infektionen am Hotspot Tönnies und der soeben (23. Juni) verkündete Lockdown wirkten nun wie ein Tiefschlag, erklären die Vorstände Volker Brüggenjürgen und Matthias Timmermann. „Viele Menschen sind am Ende ihrer Möglichkeiten, Existenzen sind gefährdet. Und Menschen werden gesundheitlich schwere Schäden davontragen “, prophezeit Volker Brüggenjürgen.

Vor diesem Hintergrund sei man um so betroffener, wenn der Schlachtkonzern Tönnies eigene Fehler von sich weist und Inhaber Clemens Tönnies stattdessen erklärt, er werde das Unternehmen aus dem Tief herausführen. „Die Menschen gehen in die Krise, viele sind krank. Tönnies hingegen betreibt nach wie vor Marketing“, kritisiert der Caritas-Vorstand. Das Einzige, was der Konzern nun sinnvoll beitragen könne, sei „seine eigene Rolle selbstkritisch zu hinterfragen“. Volker Brüggenjürgen: „Bevor das nicht geschieht, kann sich Tönnies jede andere Maßnahme sparen.“

Als besonders bitter beschreibt der Caritasverband die Situation der Menschen in den einschlägigen Wohnvierteln der WerkvertragsarbeiterInnen. Vielerorts sieht man Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr, DRK oder THW. Hilfskräfte in „Mondanzügen“ führen Corona-Tests durch. In Verl werden Menschen „mit einem Bauzaun kaserniert“. Volker Brüggenjürgen: „Das ist genau die gesellschaftliche Entwicklung, die wir nicht brauchen.“ Um so wichtiger sei es nun, Kontakt zu halten mit den Betroffenen, die dort wohnen. „Das geht per Telefon, per Whatsapp oder indem man einfach einen Fußball über den Zaun wirft“, so Volker Brüggenjürgen. Das Signal an die WerkvertragsarbeiterInnen in der Fleischindustrie müsse sein: „Ihr seid ein Teil von uns. Ihr seid nicht verantwortlich. Ihr seid Opfer!“

Hintergrund:
Der Caritasverband für den Kreis Gütersloh hat sich in den vergangenen Jahren vehement für Verbesserungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen von WerkvertragsarbeiterInnen in der Schlachtindustrie stark gemacht. Seit 2016 bietet der Verband eine muttersprachliche Beratung an, die den zumeist aus Südost- und Osteuropa zugewanderten Werkarbeiter-Familien zu mehr Integration und besseren Lebensbedingungen verhelfen soll. Angesiedelt ist das Projekt im Kreisfamilienzentrum Herzebrock.