Fiese Betrüger
 hauen Senioren übers Ohr

Wie abgebrüht muss man sein, um alte Menschen, die sich nicht mehr so gut wehren können, um ihr Hab und Gut zu bringen? Marco Hein (Kreispolizeibehörde Gütersloh) weiß aus Erfahrung, dass es professionellen Trickbetrügern weder an Kaltschnäuzigkeit noch an Einfallsreichtum mangelt. Zu Enkeltricks und Abzocker-„Gewinnspielen“ referierte er jetzt vor Seniorinnen und Senioren in der Caritas-Tagespflege Wiedenbrück. Sein Rat: Beim kleinsten Zweifel die Polizei einschalten.

Der Schaden, der Jahr für Jahr durch Trickbetrug an alten Menschen entsteht, geht in die Millionenhöhe. Um so wichtiger ist die Prävention. Marco Hein warnte die knapp 30 Zuhörer vor fingierten Anrufen. Besonders perfide ist der „Enkeltrick“. Die Masche: Der Anrufer leitet das Gespräch ein mit Sätzen wie „Hallo Opa, weißt Du, wer hier ist?“. Wenn das Opfer dann nach dem Muster „Stefan, bist Du das?“ antwortet, hat der Trickbetrüger den ersten Fuß in der Tür. Die Täter sind ausgesprochen geübt in puncto Gesprächsführung und wickeln die älteren Menschen um den Finger. Dabei versuchen die Täter, möglichst viele private Details zu erfragen und eine Atmosphäre der Vertrautheit aufzubauen. Oft tischt der vermeintliche „Enkel“ dann die Geschichte von seiner akuten finanziellen Notlage auf. Auch für die ungewohnt klingende Stimme hat der „Enkel“ eine Erklärung („… bin doll erkältet.“). Am Ende wird das Opfer dazu gebracht, eine möglichst hohe Summe auf ein bestimmtes Konto zu überweisen. Nicht selten ist der Schaden fünfstellig.

Ähnlich perfide ist die „Gewinnspiel-Masche“. Hier wird den Senioren vorgegaukelt, sie hätten das große Los gezogen. Dabei bauen die Betrüger viele abenteuerliche Szenarien wie diese auf: Der Angerufene habe ein Auto gewonnen. Dieses stehe jedoch im Ausland. Überführt werden könne es erst, wenn vorab der Einfuhr-Zoll bezahlt werde. Die Polizei kennt zahlreiche Fälle, in denen die Opfer zu einer Überweisung von mehreren Hundert Euro überredet wurden. 

Marco Hein riet den Zuhörern: Erscheint eine unbekannte Rufnummer auf dem Telefondisplay, sollte man das Gespräch am besten erst gar nicht annehmen oder den Anrufbeantworter einschalten. Dann kann man später in Ruhe abhören, wer da Fremdes anruft. Zudem könnten alte Menschen mit ihren Angehörigen eine Art „Losungs- oder Kennwort“ vereinbaren, damit diese sich am Telefon sicher als die echten Kinder oder Enkelkinder identifizieren lassen.

Marco Hein warnte besonders vor „falschen Polizisten“, die plötzlich an der Haustür erscheinen und vorgeben, man prüfe die umliegenden Häuser auf Einbruchsicherheit. Oft seien es zwei Täter: einer, der den Bewohner in ein Gespräch verwickelt und ablenkt – ein weiterer, der hinterrücks die Wohnung nach Beute durchsucht. 

Kriminaloberkommissar Marco Hein wurde nicht müde, den Zuhörern ins Gewissen zu reden: Wenn Senioren auch nur den leisesten Verdacht hegen, sie hätten es mit Trickbetrügern zu tun, sollten sie umgehend die Polizei verständigen. Gerne nahmen die Zuhörer (darunter auch Tagesgäste der Caritas-Tagespflegen Clarholz und Gütersloh) die wertvollen Tipps des Experten auf. Ein herzliches Dankeschön galt auch Caritas-Tagespflege-Leiterin Elke Watermann Bruns und Alexander Leweling (examierte Fachkraft/Betreuungskraft). Beide hatten die Idee zu der Veranstaltung entwickelt und den Ablauf organisiert. 

Spannender Vortrag: Unser Bild zeigt Tagespflege-Leitung Elke Watermann-Bruns, Frau Huster (Tagesgast in Wiedenbrück), Alexander Leweling (Betreungskraft), Marco Hein (Kreispolizei) und Frau Voß (Tagesgast in Wiedenbrück).