CORONA-Sorgentelefon

Mit herzlichen Grüßen: Schüler senden Botschaften

Um den Anderen zu verstehen, hilft es, sich in seine Perspektive zu versetzen. Darum geht es beim Caritas-Projekt „Seitenwechsel“, in dem Rietberger Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Nepomuceum gemeinsame Zeit mit Senioren verbringen. Nun ist es wegen der Corona-Krise nicht möglich, die Seite zu wechseln. Und doch reißt der Kontakt nicht ab, weil die Jugendlichen wie in früheren Zeiten zu Stift und Papier greifen und Grußbotschaften in die Caritas-Seniorenwohngemeinschaft Rietberg senden.

Henry Ademmer und Finn Lewe (beide 12) waren die Ersten, die nun einen ganzen Korb voller Grußbotschaften in der Einrichtung an der Klosterstraße vorbeibrachten. Da waren liebevoll geschriebene Briefe ebenso dabei wie phantasiereich gestaltete kleine Kunstwerke. Die Mieterinnen und Mieter nahmen die tolle Geste gerne an, sind ihre sozialen Kontakte doch in Corona-Zeiten stark eingeschränkt. Die Idee zu der Aktion entstand in der „AG Seitenwechsel“, in der Schüler der Jahrgänge 7 bis 9 zusammenkommen. Seit 2012 gibt es dieses Projekt bereits, in Zeiten von Corona musste es jedoch irgendwie  verändert werden. Die Frage, die sich daher alle stellten: Welchen Beitrag können wir während der Pandemie leisten, damit ältere Menschen nicht vereinsamen? Gemeinsam mit ihrer Religionslehrerin Lena Moor erweiterten die Kinder und Jugendlichen die Arbeitsgemeinschaft kurzerhand um das Projekt „Zusammenhalt“. Sie entwickelten einen Aufruf an ihre Altersgenossen: Schreibt oder malt einen Brief, in dem ihr alles berichten könnt, was euch beschäftigt. Oder überlegt euch ein paar liebe Worte, mit denen ihr älteren Menschen eine Freude bereiten könnt. 

Die Aufgabe war schon ein wenig herausfordernd, wie Lena Moor bestätigte. „Es ist ja gar nicht so einfach, jemandem zu schreiben, den man gar nicht kennt.“ So fragt man sich alleine schon: Soll man den Empfänger „siezen“ oder darf man das „Du“ wählen, um den Brief möglichst persönlich und tiefgehend zu schreiben? Wie auch immer – die Resonanz auf die Aktion machte Mut. 25 Botschaften kamen zusammen. Entstanden sind sie in der Schule, aber auch im „Homeschooling“.

Nach Worten von Mechtild Reker (Caritas Gütersloh) war der Besuch von Henry Ademmer und Finn Lewe nur der Anfang. Denn nicht nur die Mieterinnen und Mieter der Seniorenwohngemeinschaft sollen in den Genuss der Botschaften kommen. Die Caritas würde die Aktion auch auf den Bereich der häuslichen Pflege und Betreuung ausweiten.