Umbau am Caritas-Haus St. Anna: Kleiner Einschnitt – trotzdem ein großer Wurf

„Bei bedeutenden Dingen müssen Entscheidungen reifen wie guter Wein“, sagt eine Redensart. Nicht anders verhält es sich beim Umbau des Caritas-Hauses St. Anna in Verl, der notwendig wird, um die gesetzlich vorgeschriebene Einzelzimmer-Quote von 80 Prozent zu erreichen. Im Sinne einer für die Bewohner bestmöglichen Lösung änderte der Caritasverband in Absprache mit dem Kreis Gütersloh und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe seine Planungen. Zudem bleibt den Verlern das „alte Krankenhaus“ – ein wesentlicher Teil des Gebäudes – erhalten.

Der Caritasverband für den Kreis Gütersloh ist seit Anfang 2018 Träger des Hauses. Er stellte die Pläne jetzt der Öffentlichkeit vor. Bis zur voraussichtlichen Fertigstellung im Juli 2020 soll auf dem rückwärtigen Teil des Grundstücks ein dreigeschossiger Neubau mit 48 Einzelzimmern entstehen. Dieser dockt an den bestehenden, „neuer Altbau“ genannten Trakt aus 1990 an. Hier werden 18 Einzelzimmer und acht Doppelzimmer untergebracht sein. Damit bietet das Caritas-Haus St. Anna am Ende 74 Zimmer für 82 Bewohner.

Nach Worten von Caritas-Vorstand Matthias Timmermann hatte der Verband zunächst den Plan verfolgt, mit dem Bau bereits im vergangenen Jahr zu beginnen und die Anzahl der Plätze von derzeit 98 auf nur 93 Plätze zu verringern. „Dies hätte jedoch einen größeren Eingriff in die bestehende Substanz bedeutet“, so Matthias Timmermann. Dieser Einschnitt wäre mit 6,5 Millionen Euro teuer bezahlt worden. Die nun vorliegenden günstigere Lösung mit demnächst 82 Plätzen sieht vor, den Zuschnitt des „neuen Altbaus” weitgehend zu erhalten und ihn in Sachen Brandschutz und Elektrik wieder auf Vordermann zu bringen. Der Vorstand betonte: An den Plänen zum neuen Anbau ändere sich nichts. Zudem sei der Caritasverband dem Wunsch der Stadt Verl gerne nachgekommen, den „alten Altbau“ – also den früheren Krankenhaus-Trakt – zu erhalten. Bürgermeister Michael Esken bedankte sich und betonte, das alte Krankenhaus sei ein „wichtiges, geschichtsträchtiges Gebäude“ für Verl: „Es ist die Keimzelle unseres gesellschaftlichen Lebens.“ Viele Verler Bürger sind hier geboren worden.

Der Ablaufplan: Die Außenarbeiten haben laut Architekt Martin Brockmeyer bereits begonnen. Wenn der Neubautrakt fertiggestellt ist, ziehen hier die Bewohner des „neuen Altbaus“ ein, damit dieser saniert werden kann. Ist auch diese Maßnahme abgeschlossen, ziehen hier die Bewohner des „alten Altbaus“ ein. In dem früheren Krankenhaus-Trakt wird es dann keine Bewohner-Zimmer mehr geben. Nach Worten von Matthias Timmermann sollen in den kommenden Monaten Ideen gesammelt werden, wie das Gebäude dann genutzt wird. Möglich sei, dass die direkt benachbarte Caritas-Tagespflege St. Anna einzieht. „Das ist aber noch Zukunftsmusik.“ Fest steht jedenfalls, dass die Küche und die Hauswirtschaft im unteren Geschoss des „alten Altbaus“ bleiben.

Caritas-Vorstand Matthias Timmermann bedankte sich bei Bürgermeister Esken sowie beim Architekturbüro Brockmeyer für die konstruktive und effektive Zusammenarbeit während des Baugenehmigungsverfahrens. Zudem lobte er das zur Kirchengemeinde seit vielen Jahren bestehende Vertrauensverhältnis.

Auch wenn das Traditionshaus St. Anna die vom Wohn- und Teilhabegesetz vorgeschriebene Einzelzimmerquote von 80 Prozent aktuell noch nicht erfüllt, zeigt die kontinuierliche Belegungsquote von gut 95 Prozent, wie wohl sich die Bewohnerinnen und Bewohner hier fühlen.

Mehr Infos zum Angebot des Caritas-Hauses St. Anna in Verl unter www.st-anna-verl-altenzentrum.de 

Unser Bild zeigt von links: Brigitte Gnegel (Kirchenvorstand), Bürgermeister Michael Esken, Kerstin Pleus (Fachbereichsleitung Leben und Wohnen im Alter beim Caritasverband), Architekt Martin Brockmeyer, Pfarrer Karl-Josef Auris, Caritas-Vorstand Matthias Timmermann und Einrichtungsleiter Jürgen Mertes.

Architekt Martin Brockmeyer (rechts) stellte die Pläne vor. Mit im Bild: Caritas-Vorstand Matthias Timmermann