Rietberg/Gütersloh. „Es war einfach traumhaft“, sagt eine Seniorin strahlend. Und eine andere schwärmt: „Die Reise war viel zu schnell zu Ende.“ Die beiden Tagespflege-Gäste haben gerade einen Kurzurlaub an der Nordsee gemacht – mithilfe von Virtual Reality-Brillen. Nun schwelgen sie gemeinsam in Erinnerungen – ans Meer, die Sonne, an unbeschwerte Familienurlaube.
Möglich macht das ein besonderes Präventionsprojekt, dass der Caritasverband für den Kreis Gütersloh in Kooperation mit der BARMER und der Wemento GmbH aus Hannover umsetzt. Die Caritas-Tagespflegen in Gütersloh und Rietberg schicken ihre Gäste damit virtuell auf Weltreise. Ziel ist es, durch wissenschaftlich belegten Methoden der Reminiszenzarbeit (Erinnerungspflege) das Wohlbefinden und Selbstwertgefühl von Menschen mit Pflege‑ und Unterstützungsbedarf nachhaltig zu fördern und ihre individuellen Ressourcen gezielt zu stärken.
Unter dem Motto „Wenn Gedanken auf Reisen gehen“ haben die Gäste die Möglichkeit, Orte erleben, mit denen sie besondere Erinnerungen verbinden oder die sie schon immer einmal sehen wollten. Das Rauschen des Meeres, hohe Berge oder bunte Städte – all das können sie direkt in der Einrichtung vom Sessel aus entdecken. „Das Projekt hilft uns dabei, unser Betreuungsangebot fortwährend weiterzuentwickeln und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern – mit einem ganzheitlichen Blick auf das körperliche, geistige und seelische Wohlbefinden unserer Gäste“, sagen die Pflegedienstleitungen Elke Watermann /Rietberg) und Zina Lawrenz (Gütersloh).
„Wir freuen uns, gemeinsam mit der Caritas und Wemento die Lebensqualität älterer und pflegebedürftiger Menschen nachhaltig fördern zu können“, so Juliane Diekmann vom BARMER-Team „Prävention in der Pflege“. „Das Projekt bringt nicht nur Abwechslung in den Betreuungsalltag, sondern trägt auch dazu bei, dass sich ältere Menschen in ihrer Einzigartigkeit wahrgenommen fühlen. Ihre kognitiven Fähigkeiten und das soziale Miteinander werden angeregt. Um das alles auch über den Projektzeitraum hinaus zu ermöglichen, wurde eine Projektgruppe mit mehreren Treffen installiert sowie Multiplikatoren zur nachhaltigen Durchführung geschult“, erklärt Juliane Diekmann. „Ziel der Projektförderung ist es gesundheitsförderliche Strukturen in Pflegeeinrichtungen zu verankern.“
In der Tagespflege gehen die Teilnehmenden zu zweit auf Reisen. Gemeinsam wählen sie einen oder mehrere Kurzfilme aus, die sie an ihren Wunschort versetzen. Etwa 140 Ziele stehen zur Verfügung, darunter München, Paris, Sylt, Südafrika, die Ostsee oder die Alpen. Vor- und nachbereitet wird der Kurztrip gemeinsam mit den psychologisch geschulten Wemento-Expertinnen und Experten. In entspannter Atmosphäre kommen sie mit den Gästen über frühere Urlaube und neue Sehnsuchtsorte ins Gespräch und starten somit den weiteren Teil der Identitäts- und Biografiearbeit mit den Gästen. Diese wird durch vertraute Lieder, alte Fotos oder Souvenirs unterstützt. „Reisen bedeutet für viele Menschen ein Gefühl von Glück und Freiheit“, erklärt Marlon Eggers von Wemento. „Man kann die Welt entdecken, ohne die vertraute Umgebung verlassen zu müssen. Gerade für ältere Menschen, die nicht mehr verreisen können, bietet das Projekt vielfältige Möglichkeiten.“
Bei den Gästen der Tagespflege kommt das Projekt gut an. Auch die beiden Pflegedienstleitungen sind zufrieden. „Danke an alle, die das innovative Projekt möglich gemacht haben sowie auch bei den engagierten Pflege- und Betreuungskräften, die maßgeblich an dessen Umsetzung und Verstetigung beteiligt waren und sind.“

