JugendFilmTage in Rietberg

„Ich freue mich, dass wir mit den Jugendfilmtagen ein besonderes Präventionsprojekt nach Rietberg holen konnten, welches sich mit kulturellen Elementen sowohl an Jugendliche als auch an deren Eltern richtet.“ Mit diesen Worten eröffnete Bürgermeister Andreas Sunder die Jugendfilmtage, die nun erstmals in Ostwesfalen-Lippe stattgefunden haben. Peter Köching, Leiter der Caritas Sucht- und Drogenhilfe, unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Riskanter Alkohol- und Nikotinkonsum macht vor keinem Ortschild hat. Dafür braucht es zeitgemäße Präventionsansätze.“

Der erste Tag der Jugendfilmtage gehört den Schülerinnen und Schülern der 9. Klasse des  Gymnasium Neponucenum. Morgens besuchten sie eine eigens aufgebaute Messe aus Mitmach-Stationen, die zum reflektierten Umgang mit Alkohol und Nikotin anregen sollte. Dazu gehörte neben einem überdimensionierten Würfelspiel auch eine „Baustelle“, an der sich die Jugendlichen mit den Bausteinen ihres Lebens auseinandersetzen sollten, welche Ihnen für eine glückliches Leben wichtig sind. Zusätzlich ging es an der Schadstoffzigarette um die Inhaltstoffe des Tabakrauchs: „Darin sind mehr als 4800 chemische Substanzen enthalten, von denen etwa 90 krebserregend sind. Viele Substanzen sind beigemischt, um diese gesundheitsgefährdenden Inhaltstoffe zu überdecken bzw. das Suchtpotential zu fördern. Damit ist Tabak, egal in welcher Form, heutzutage ein Hightech-Produkt der Industrie“, erklärt Johanna Lind, Schulsozialarbeiterin an der Gesamtschule, die oft unbekannten Aspekte von Tabak. An einer Rauschbrillenstation setzten sich die Jugendlichen mit den Auswirkungen eines übermäßigen Alkoholkonsums auseinander. Dabei wurde simuliert, wie sich bereits drei kleine Bier auf die Wahrnehmung und die Reaktion auswirken können. 

Zum Abschluss des Vormittags sahen die Jugendlichen in der Cultura gemeinsam den Fernsehfilm „Komasaufen“, in dem der 15-jährige Lukas langsam in einen riskanten Alkoholkonsum mit seiner Clique reinrutscht. Am zweiten Tag waren die Schülerinnen und Schüler der 9.Klasse der Richard-von Weiszäcker-Gesamtschule an der Reihe. Bei ihnen beendete der Kinofilm „Tschick“ den informativen und nachdenklichen Vormittag: Der 14-jährige Maik ist Außenseiter und reißt mit dem gleichaltrigen Mitschüler „Tischick“ und einem geklauten Auto aus. 

„Ziel der Jugendfilmtage ist es, die Jugendlichen spielerisch und unterhaltsam über die gesundheitlichen Folgen und das Abhängigkeitspotential des Rauchens und des Alkoholkonsums zu informieren“, erklärt Lars Riemeier von der Caritas Fachstelle für Suchtvorbeugung. Die Caritas organisierte die Jugendfilmtage zusammen mit Schulsozialarbeitern beider Schulen, der Kreispolizei Gütersloh, dem Kreismedienzentrum und der Rietberger Gartenschaupark GmbH.

Abgerundet wurden die Jugendfilmtage mit einer abendlichen Vorführung für Erwachsene des Kinofilms „Smashed“: Grundschullehrerin Kate will ihren übermäßigen Alkoholkonsum beenden und schließt sich einer Selbsthilfegruppe an. Leider steht ihr dabei der alkoholabhängiger Ehemann im Weg. Im Anschluss an den Film gab es Gesprächsmöglichkeiten mit verschiedenen Beratungseinrichtungen und Selbsthilfegruppen. „Wir haben uns gerne diesem Projekt angeschlossen und in unsere regelmäßige Reihe ‚Kino in der Cultura‘ eingebaut. Selbstverständlich gab es an diesem Abend bei uns auch keine alkoholischen Getränke, sondern u.a. alkoholfreie Cocktails“, freut sich Peter Milsch, Geschäftsführer der Gartenschaupark GmbH über die Kooperation.

Wann die nächsten Jugendfilmtage im Kreis Gütersloh stattfinden können, ist noch nicht klar. Lars Riemeier: „Das Projekt ist schon etwas Besonderes und braucht viel Vorbereitung. Aber es gelingt mithilfe von Filmen und interaktiven Angeboten Jugendliche und Erwachsene anzusprechen und im Optimalfall auch für Gesprächsthemen in den Familien zu sorgen.“